Interview Frau Roehm

Was war Ihr Berufswunsch als Kind bzw. Jugendlicher?

Ich weiß noch, dass ich in der Grundschule mal so genervt von den Hausaufgaben war, dass ich den Wunsch geäußert habe Lehrerin zu werden, um auch Hausaufgaben aufgeben zu können.

Ist Lehrer für Sie ein Traumberuf? Aus welchen Gründen?

Diese Frage wurde uns angehenden Lehrkräften zu Beginn des Studiums auch gestellt. Meine Antwort war: „Ich möchte meinem Vater zeigen, dass es auch gute Lehrkräfte gibt.“

Begründen Sie kurz Ihre Fächerwahl!

Mathematik ist das schönste Fach der Welt, alles baut aufeinander auf, Aufgaben lassen sich gut durch Logik lösen und in Physik wird die Mathematik praktisch angewendet. Im Laufe des Studiums habe ich gemerkt, dass mir auch Informatik sehr viel Spaß macht und habe es deshalb als drittes Fach dazugenommen.

Welche Tipps würden Sie Schüler*innen geben, die Lehrer werden wollen?

Zum einen: Im Lehramtsstudium sind die Fachwissenschaften nur die halbe Miete. Die zweite Säule der Ausbildung besteht in der Beschäftigung mit didaktischen und pädagogischen Fragen und Inhalten, denn in der Schule steht die Vermittlung von Wissen im Mittelpunkt.

Zum anderen: Der Arbeitstag in der Schule fängt früh an. Wer morgens nicht in Hochform ist, wird es als Lehrkraft nicht so leicht haben.

Blicken Sie für uns zurück auf Ihre eigene Schulzeit:

Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Ich war an einem altsprachlichen Gymnasium und würde mir deshalb genau überlegen, ob ich nochmal Latein und Alt-Griechisch lernen möchte. Der Lernaufwand für diese Fächer war sehr hoch, aber immerhin habe ich dadurch eine hohe Frustrationstoleranz aufgebaut.

Was war früher besser? Was schlechter?

Während meiner Schulzeit haben das Internet, das www und die sozialen Medien ihren Siegeszug angetreten und die Gesellschaft verändert. In meiner Schule war davon wenig zu bemerken, außer vielleicht, dass Referate zunehmend mit Hilfe von Präsentationssoftware visualisiert werden sollten. Tafelbilder oder Plakate waren irgendwann „out“.

Angestoßen durch die Corona-Pandemie findet der Unterricht mittlerweile teilweise selbst in Deutschland als Videokonferenz statt und wir verwenden Lernplattformen – das war bis vor einem Jahr undenkbar. Da hat sich in kurzer Zeit Wesentliches verändert. Ich halte diese Veränderung für notwendig und gehe davon aus, dass moderner Unterricht auch in Zukunft diese neuen Möglichkeiten nutzen wird.

Nach einem Jahr Corona, Schulschließungen und Distanzlernen lese und höre ich aber auch mit Staunen, wie sehr Eltern und SchülerInnen aller Altersstufen die Schule vermissen und sich darauf freuen, dass sie endlich wieder zur Schule gehen können. Persönliche Begegnungen sind und bleiben wesentlich, das haben die vergangenen Monate gezeigt und bestätigt. Ich freue mich darauf, alle meine Klassen hoffentlich bald auch persönlich kennenzulernen.

Was war Ihr lustigster bzw. peinlichster Moment als Schüler?

Das war der erste Schultag an der High School während meines Auslandsjahres in den USA. Damals war das ein richtiger Horrortag, aber rückblickend ist es einfach eine lustige Anekdote:

Morgens suchte ich den Unterrichtsraum für die erste Stunde. Das Schulgelände war riesig, ca. 2.500 SchülerInnen besuchten diese High School. Ich hatte zwar einen Geländeplan, fand mich aber trotzdem nicht zurecht und habe schließlich einen Lehrer nach dem Weg gefragt. Auf die letzte Minute habe ich den richtigen Raum gefunden und konnte meinen Augen kaum trauen, als ich festgestellt habe, dass ich in der letzten Stunde ausgerechnet bei dem Lehrer Physik habe, den ich nach dem Weg gefragt hatte.

Natürlich konnte er sich noch an mich erinnern und hat mich nach dem Unterricht in ein längeres Gespräch verwickelt. Das war nett gemeint, aber als ich endlich gehen konnte, war der Schulbus bereits abgefahren – ein ganz schönes Pech, weil die Schulbusse nur jeweils einmal am Tag zur Schule und wieder nach Hause fahren. Zum Glück war noch ein Bus da, der diejenigen SchülerInnen nach Hause gebracht hat, die in den übrigen Bussen keinen Platz gefunden hatten. Die Busfahrerin hat netterweise auch mich mitgenommen und während der Busfahrt konnte ich mir schonmal überlegen, wie ich meiner Gastmutter von diesem Tag erzähle…

Welchen Eindruck haben Sie vom JWG?

Das Referendariat habe ich in Borna absolviert. Meine Erfahrung war: Niemand kennt Borna. Seit ich erzähle, dass ich jetzt in Torgau arbeite, ernte ich in meinem Bekanntenkreis einen bunten Strauß an Reaktionen:

„Da gibt es doch ein Renaissance-Schloss.“

„Haben sich da am Ende des 2. Weltkriegs nicht Russen und Amerikaner getroffen?“

„Torgau ist eine Stadt der Reformation, hier waren Martin Luther und Katharina von Bora.“

„Auf dem Elberadweg kommt man auch in Torgau vorbei.“

Zu Torgau fällt fast jedem etwas ein. Allerdings stellt sich auch die Frage, wer denn eigentlich dieser Johann Walter war, nach dem die Schule benannt ist. Und ich selber habe am Tag meiner Vorstellung hier erfahren, dass der Informatikunterricht in der ehemaligen Klosterkirche stattfindet.

Alles in allem: Ich habe den Eindruck, dass ich an einem ausgesprochen interessanten Ort gelandet bin und freue mich darauf, die Schule, die Stadt und ihre Geschichte sowie die schöne Umgebung nach und nach kennenzulernen.

Welche Wüsche haben Sie, Ihren Beruf betreffen?

Mein Wunsch ist, meinen SchülerInnen zu vermitteln, dass es sich lohnt sich mit den MINT-Fächern zu beschäftigen und dass man sich gut mit ihnen anfreunden kann. Das ist nicht so schwer, wie man denkt, und macht sogar Spaß!

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