Wie ist die Corona-Lage an unserer Schule?

Ein Interview mit Schulleiter Peter Nowack, geführt von Clara Liegau, 12. Klasse. Datum: 18.10.2021

Wie viel kostet ein Corona-Test? Wer bezahlt ihn?

Ich kann es nicht genau sagen, was ein Test kostet, weil die Schule die Tests kostenlos vom Landesamt für Schule und Bildung bereitgestellt bekommt. Wenn man einen Test frei, also quasi außerhalb der Schule, machen lässt, liegt der Preis bei 20-40€. Da sind aber die Personalkosten mit abgedeckt.

Wie viele Tests kommen an der Schule in der Woche zustande?

Das kommt drauf an, ob wir 2 oder 3 mal die Woche testen. So, wie wir gerade testen, also 2 Mal in der Woche, sind es circa 1400.

Wie werden die Tests entsorgt?

Die Entsorgung ist ganz normal über unseren Schulhausmüll geregelt.

Gab es schon positiv getestete Personen an der Schule?

Es gibt gerade zwei Schüler, deren Tests positiv waren und die jetzt in Quarantäne sind. Ein weiterer hatte einen Fall in seinem Umfeld. Wir haben also gerade in der 6., in der 7. und in der 8. Klasse je eine Person, die in Quarantäne ist.

Damit können auch wir einen starken Anstieg verzeichnen, der sogar über die durchschnittlichen öffentlichen Zahlen hinausgeht.

Warum gibt es nun andere Tests? Was ist mit anderen (bspw. Loli-Tests)?

Die Tests, die bei uns alle nutzen, sind die normalen Nasenabstriche. Wenn ein ärztliches Attest vorliegt, kann man aber bei uns auch Loli-Tests machen. Es gibt auch solche Schüler an der Schule.

Wie viele Schüler:innen sind an unserer Schule geimpft und wie viele haben das schulinterne Angebot genutzt?

Die Gesamtanzahl kann ich nicht genau sagen, es könnten so um die 100 Schüler sein. Das Angebot, sich hier impfen zu lassen, haben 32 Schüler genutzt.

Was würde passieren, wenn wir erneut in Quarantäne gehen müssten?

Das ist ganz unterschiedlich. Wenn jetzt ein Schüler in der Klasse positiv getestet wird, werden die Anzahl der Tests erhöht, es wird dann in dieser Klasse nicht zwei, sondern drei Mal in der Woche getestet. Wenn aber nun zwei positiv auf Corona getestet werden, dann geht direkt die komplette Klasse oder Gruppe in Quarantäne.

Wenn die Infektionsquelle nicht in der Klasse selbst liegt, entscheidet das Gesundheitsamt, ob die komplette Klasse in Quarantäne gehen muss oder ob sie da bleiben kann. Dann sind erstmal alle Schüler, die das betrifft für 5 Tage mindestens und 10 Tage höchstens in Quarantäne. Eine Verlängerung oder Verkürzung kommt natürlich darauf an, ob sie in der Zeit positiv oder negativ getestet werden.

Wie geht es in nächster Zeit mit den Corona-Maßnahmen weiter?

Am 20. gab es eine neue Schutzverordnung, durch diese werden wir nach den Herbstferien noch eine Woche Masken tragen und drei Mal in der Woche testen. Danach entfällt die Maskenpflicht im Unterricht.

Bisher war Maske ab einer Inzidenz von 35 Pflicht, jetzt sagt man, dass diese Pflicht, egal welche Inzidenz, entfällt, da man einsieht, dass das doch sehr anstrengend und unangenehm für alle Beteiligten ist.

(zum heutigen Stand nicht mehr aktuell)

Wären Lehrer im Falle eines erneuten Lockdowns oder einer Klasse in Quarantäne besser auf online-Unterricht vorbereitet als zum Beginn der Pandemie?

Das würde schwierig werden mit dem Online-Unterrichten. Das Hauptmedium würde dabei wieder Lernsax sein und die Lehrer würden den Schülern eben darüber Aufgaben erteilen und dann sollte es auch wieder Videokonferenzen geben. Ich hoffe natürlich, dass die Lehrer das wieder verstärkt nutzen, aber die Situation wäre schwieriger, da vielleicht nur eine halbe Klasse fehlt oder ein paar Schüler. Der Lehrer sitzt ja nicht mit seinem Laptop zuhause, er ist trotzdem mit vielen anderen Klassen an der Schule. Für eine Klasse würde das ja noch funktionieren. Sind es aber mehr, würde auch die Technik bei uns nicht reichen.

Wenn nur eine Klasse entfällt, haben die Lehrer ja weiterhin Unterricht in den anderen Klassen. Es geht dabei ja nur um einen Zeitraum von vielleicht 5 bis maximal 10 Tagen.

Was wird getan, um Lernrückstände aufzuarbeiten?

Wir haben die Möglichkeit, Verträge mit Leuten zu machen, die außerhalb der Schule tätig sind. Außerdem gibt es Förderangebote, an unserer Schule sind diese für Mathematik, Physik, Deutsch, Englisch und ein allgemeines Fach geplant. Diese werden wir dann an der Schule an jeweils einem Tag der Woche anbieten, sobald die Verträge vom Amt genehmigt sind.

Außerdem sollten die Fachlehrer des letzten Jahres an die neuen Fachlehrer den Stand des Stoffes vermitteln, damit dort direkt angesetzt und Lücken geschlossen werden können. Das ist auch bei den neuen Fünftklässlern so gewesen, wir haben alle Grundschulen schriftlich angeschrieben und uns den Stand der 4. Klassen übermitteln lassen. In Mathe, Deutsch und Englisch gab es eine Lernstandserhebung, das ist eine Leistungskontrolle ohne Zensierung, durch die wir die Leistungen festgestellt haben.

In den älteren Klassen ist es unterschiedlich und die Fachlehrer müssen die Entscheidungen in den Kernbereichen selber treffen. Das wird auch nicht von heute auf morgen funktionieren.

Werden Lehrpläne gekürzt?

Bei den 12. Klassen erwarte ich inhaltliche Reduzierungen des Prüfungsstoffes.

Gab es viel Kritik von Eltern und Schüler:innen? Was wurde kritisiert?

Es gab massive Kritik, dass die Videokonferenz als Unterrichtsmittel nicht in der Fläche genutzt wurde. Es gab Kritik, dass es einige Lehrer gab, die für ihre Schüler nicht oder nur bedingt in der Zeit zur Verfügung standen. Diese beiden sind so die Hauptkritiken, die aufgeworfen wurden.

Ich muss aber auch sagen, dass es viele Lehrer sehr gut gemacht haben, es war auch für sie eine anstrengende Zeit. Diese Kritiken treffen nur für wenige Lehrer zu.

Gab es Eltern und Schüler:innen, die sich direkt gegen die Corona-Maßnahmen gewehrt haben?

Es gibt auch jetzt immer noch Kinder, die nicht zur Schule kommen. Sie werden so behandelt, als wären sie krank, werden also auch nicht von zu Hause unterrichtet oder Ähnliches. Da kümmern sich das Kind oder die Eltern selbst um das Material. Letztes Jahr war die Schulpflicht aufgehoben, das gilt dieses Jahr nicht mehr. In den nächsten Wochen sind wir aufgefordert, dieses Verhalten dem Ordnungsamt zu melden.

Wir haben hier auch Eltern, die massiv gegen das Impfen auftreten. Es gab Demonstrationen am ersten Schultag und zu den zwei Impfterminen und es gibt immer noch kritische Meinungen von Eltern, die sagen, sie wollen nicht, dass ihr Kind eine FFP2-Maske trägt oder getestet wird.

Welche der Corona-Maßnahmen würden Sie nicht so durchsetzen, wenn es nicht erforderlich wäre?

Es gibt manche Regeln, die finde ich gut und manche eher nicht. Wir Schulleitungen können aber mit einem Ordnungsgeld von bis zu 25.000€ belegt werden, wenn wir uns weigern würden, diese Regeln umzusetzen.

Gezeigt hat sich ja, dass die meisten Schüler lieber und besser in der Schule lernen, als zuhause. Es geht einfach nicht, ein viertel Jahr zuhause beschult zu werden, das war zu lang, egal, ob Videokonferenzen oder nicht.

Ich würde zum Beispiel bei einer Infektion von ein bis zwei Schülern keine komplette Klasse in Quarantäne schicken, nur die positiven. Ich würde überhaupt nicht über einen Lockdown nachdenken und es eher so handhaben, als hätte jemand Bauch- oder Kopfschmerzen.

Wir testen ja auch vor allen größeren Veranstaltungen und im Unterricht, es geht nicht nur darum, die zu finden, die krank sind, man muss ja auch die schützen, die gesund sind. Wir haben gegenüber beiden eine Verantwortung, das vernünftige Gleichgewicht muss gewahrt werden.

Wir bedanken uns für das Gespräch.

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