Mehr als Schultheater: Eine Auszeichnung für Herzblut und Engagement
Der Katharina-von-Bora-Preis wird von der Stadt Torgau und dem Freistaat Sachsen vergeben. Mit ihm werden Frauen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Gemeinschaft und die Gesellschaft engagieren.
Am 2. Oktober 2026 wurde Dr. Gabriele Hönicke vom Johann-Walter-Gymnasium Torgau mit diesem Preis ausgezeichnet. Die Stadt und der Freistaat würdigten damit ihren besonderen Einsatz für die Gemeinschaft, im Mittelpunkt stand dabei ihre langjährige Arbeit im Schultheater.
Neben Dr. Hönicke wurden zwei weitere Frauen aus Nordsachsen geehrt: Christina Kewitz von der Zeitoase der Diehl-Zesewitz-Stiftung für ihr Engagement für interkulturelle Begegnungen und Uta Schladitz, Präsidentin des Sächsischen Landfrauenverbandes, für ihren Einsatz für Frauen im ländlichen Raum.
Vom ersten Theaterstück zu zahlreichen Aufführungen
Dr. Gabriele Hönicke unterrichtet Deutsch und Russisch am Johann-Walter-Gymnasium und ist Fachleiterin für das musisch-künstlerische Profil. Neben ihrer Arbeit im Fachunterricht unterrichtet sie auch den Medienkurs der Schule. Als die sächsische Kultusbehörde die Möglichkeit dazu schuf, entwickelte Frau Dr. Hönicke diesen fächerverbindenden Grundkurs für die Sekundarstufe II. Sie erarbeitete dafür eigenständig einen Lehrplan sowie Leistungs- und Bewertungskriterien, evaluierte den Kurs nach zwei Schuljahren und passte die Inhalte an, um moderne Lernfelder für einen innovativen Unterricht zu schaffen. Aus diesem Medienunterricht gehen unter anderem die Erstellung von Kurzfilmen, Flyern und auch Teile der Schülerzeitung JOWAX hervor. Wie Peter Nowack in seiner Laudatio hervorhob, bildete die Arbeit rund um diesen Medienkurs zugleich die Grundlage für die spätere Theaterarbeit an der Schule.
Im Jahr 2010 entstand schließlich die Idee, an der Schule wieder ein Theaterstück aufzuführen. Daraus entwickelte sich das Tanztheaterstück „JetztZeitLegende“, das im Juni 2011 im Kulturhaus Torgau uraufgeführt wurde. Laut Nowack begeisterte die Aufführung das Publikum und legte den Grundstein für elf weitere Theaterstücke unter Hönickes Leitung.
In seiner Laudatio hob Nowack verschiedene Produktionen hervor, darunter „Luther in MIR“, „Herrinnen Käthe“ über starke Frauen in der Reformation und „Blindgänger 43 – Eine Liebe unter dem Hakenkreuz“. 2024 wurde außerdem die „Walter-Triologie“ über das Leben Johann Walters und seine Freundschaft zu Luther, Katharina von Bora und weiteren Persönlichkeiten aufgeführt.
Ein wichtiger Bestandteil der Theaterarbeit ist die Beteiligung der Jugendlichen. Wie Nowack in seiner Rede erläuterte, stammen Drehbücher, Tanzchoreografien und Kostümentwürfe häufig aus den Ideen der Schülerinnen und Schüler. Hönicke betreut diese Arbeiten und koordiniert die aufwendigen Vorbereitungen. Dazu gehören Proben für Schauspiel, Gesang, Tanz und Orchester ebenso wie die Organisation von Kostümen, Bühnenbildern und Fördermitteln. Laut Laudatio unterstützten unter anderem die Musikschule, das Jugendbildungsprojekt „Wintergrüne“ und der Torgauer Geschichtsverein die Projekte. Einige Aufführungen fanden sogar in Wittenberg, Eisenach, Berlin und Kleinmachnow statt.
Am Abend des 2. Oktober 2026, dem Tag der Preisverleihung, feierte außerdem das neue Theaterstück beziehungsweise Musical „Im Tal der Ahnungslosen“ Premiere. Damit stand für Dr. Hönicke und die Theatergruppe neben der Ehrung auch eine weitere Aufführung auf dem Programm, einen eigenen Artikel zu diesem Stück gibt es bereits auf der Website der Schülerzeitung JOWAX.
Eine besondere Würdigung durch den ehemaligen Schulleiter
Die Laudatio für Dr. Hönicke hielt Peter Nowack, der ehemalige Schulleiter des Johann-Walter-Gymnasiums. In seiner Rede betonte er, dass Hönicke nicht nur Theaterstücke auf die Bühne bringt, sondern Jugendlichen neue Möglichkeiten eröffnet und historische Themen für sie und das Publikum zugänglich macht.
Besonders eindrucksvoll beschrieb Nowack die Bedeutung ihrer Arbeit für die jungen Menschen. Er sagte in seiner Laudatio:
„Allen an den Aufführungen beteiligten Jugendlichen […] wurden durch Frau Dr. Hönicke Möglichkeiten und Horizonte eröffnet, von denen diese jungen Menschen ein Leben lang zehren und sich erinnern werden.“
(Peter Nowack, Laudatio für Dr. Gabriele Hönicke zur Verleihung des Katharina-von-Bora-Preises 2026)
Mit diesen Worten hob Nowack hervor, wie nachhaltig die Theaterarbeit die beteiligten Jugendlichen prägen kann. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit historischen Themen auseinander und entwickeln gemeinsam eigene Ideen, die sie auf der Bühne umsetzen.
Zum Abschluss seiner Rede würdigte Nowack Hönickes Engagement mit einem weiteren persönlichen Satz:
„Wenn es Sie nicht bereits geben würde, müsste man Sie für das Theater dieser Welt erfinden.“
(Peter Nowack, Laudatio für Dr. Gabriele Hönicke zur Verleihung des Katharina-von-Bora-Preises 2026)
Der Katharina-von-Bora-Preis 2026 würdigt Hönickes langjährigen Einsatz für unvergessene Musik-Theater-Inszenierungen und ihre Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern des Johann-Walter-Gymnasiums Torgau.
Frieda Dähne, 12ph1





